...
...
...........................
PRESSE
..... |
.............................................
...
...
JVA
Öffentlichkeit
Gesetze
Sonstiges
V090823 |
... |
... |
... |
...
FOLTERKNAST
PRESSE |
| ............................................................................................................................................................................................................................................... |
...
2010.01.07
|
X
|
Internet |
|
|
|
|
| X |
Presse |
WE |
|
|
|
|
TV |
|
|
| ... |
|
....................................................................................................................................................................................................................... |
|
...
|
| Rubrik |
|
| Überschrift |
| Justizvollzugsbeamte
leiden unter schlechtem Image |
| |
Gefängnis
|
Justizvollzugsbeamte
leiden unter schlechtem Image
|
| Essen.
Die Justizvollzugsbeamten sind überlastet. Und sie finden,
dass ihre Leistung nicht gewürdigt wird. Denn sie sind mehr
als "Schließer" und nichts tragen sie mehr vor sich her als
ihre Überstunden. In der JVA Gelsenkirchen haben sich die
Beamten an ihrem Dienstplan nun größtenteils
beteiligt. |
|
Für die meisten ist man ein
„Wärter”, ein
„Schließer” oder ein
„Wachtmeister”. Was tatsächlich Tag
für Tag in den Justizvollzugsanstalten, den Knästen,
geleistet werde, das erkennt der Bürger nicht an. Aber auch
nicht die Politik, findet Rainer Blümel. Da werde nur immer
dann geredet, wenn irgendetwas aus dem Ruder gelaufen sei. So wie in
Aachen.
Der Personalratsvorsitzende der
Justizvollzugsanstalt Essen sieht in der fehlenden
öffentlichen Anerkennung den Knackpunkt für seine
Kollegen. Nicht in den Schwarzen Schafen, die diesen Beruf immer wieder
in die Schlagzeilen hievten. Laut Justizministerium sind landesweit
seit 2003 15 Vollzugsbeamte aus dem Dienst entlassen worden sein, weil
sie in kriminelle Machenschaften verstrickt waren. 15 von insgesamt
8100 Bediensteten in den JVAs.
Dass die Kolleginnen und Kollegen in Essen
inzwischen 12 000 Überstunden, rund 80 pro Kopf, vor sich
herschieben und kaum noch darauf hoffen, diese auch abbauen zu
können, das sei die Realität, die aber
augenscheinlich niemanden interessiere. Blümel macht sich zwar
keine Illusionen auf personelle Besserung, aber von Resignation sei man
auch weit entfernt.
Jeder wisse schließlich, worauf er sich
einlasse, wenn er den Beruf eines
„Justizvollzugsbeamten” wähle,
ergänzt der Essener Anstaltsleiter Herbert Paffrath.
|
Mehr als Auf- und Zusperren von Zellen
|
Der
falsche öffentliche Eindruck beginne bereits mit der grotesken
Berufsbezeichnung des „Wärters”.
Früher, vor gut 30 Jahren, da wurden die Gefangenen nur
weggeschlossen, verwahrt. Da waren die Vollzugsbeamten
„Schließer”. Mehr nicht. Mit dem
politischen Auftrag einer umfassenden Resozialisierung habe sich seit
dem Ende der 70er Jahre ihr Berufsbild drastisch verändert.
Und Resozialisation brauche mehr als nur Schlüssel zum Auf und
Zusperren von Zellen.
In Essen, so Paffrath, stehen
den durchschnittlich 520 Gefangenen maximal 160 Vollzugsbeamte
gegenüber. Hoffnungen auf zusätzliche Stellen haben
weder er noch Blümel: „Wer soll, kann und will die
bezahlen?”
In der JVA Bochum sind Stellen für 297
Justizvollzugsbeamte. Bei 859 Strafgefangenen. Hier werden, so die
stellvertretende Anstaltsleiterin Barbara Lübbert, noch 21 196
Überstunden gezählt. Etwas weniger als
früher, nachdem einige Überstunden ausbezahlt worden
sind.
„Unser Problem ist nicht die
Personalstärke, die reicht nie aus, wenn unsere
Aufgabenbereiche immer weiter ausgebaut werden. Es wäre schon
gut, wenn nicht immer wieder neue Bereiche
hinzukämen”, moniert Paffrath.
|
Jeder Schritt außerhalb der Zelle
muss
organisiert werden
|
|
Der Vollzugsbeamte ist Dienstleister für
den Gefangenen, er führt ihn aus, sorgt dafür, dass
das richtige Essen pünktlich kommt, kümmert sich um
ihn, wenn Besuch wartet, bringt den Häftling zum Sport, zum
Arzt, zum Gericht. Jeder Schritt außerhalb der Zelle muss
organisiert und begleitet werden.
Daneben sind die Männer und Frauen in
Uniform auch Ansprechpartner bei Problemen mit den Familien. Man werde
zum Pastor, Psychologen und Tröster, weiß Paffrath.
Das alles werde verlangt, das alles werde auch gerne geleistet.
Bei allem gelte es aber neben den Anforderungen
der Resozialisierung immer Distanz zu seinem Gegenüber zu
wahren. Blümel spricht da von Gratwanderung, Paffrath eher vom
Dilemma, auf das die Vollzugsbeamten aber umfassend vorbereitet und
ausgebildet werden.
Die immer umfangreicher werdende Arbeit
störe zwar, aber vielmehr ärgert , dass seit Jahren
diese stetig geleistete und weiter steigende Mehrarbeit auch noch mit
drastischen finanziellen Einschnitten belohnt werde. Kürzungen
an Urlaubs- und Weihnachtsgeld bis hin zum Wegfall, seit vier Jahren
gab es keine Gehaltserhöhung.
|
"Überstundenwirtschaft"
|
|
Gelsenkirchen, mit seinen insgesamt 620 Häftlingen und 200
Justizvollzugsbeamten, krempelt die Ärmel hoch angesichts von 18 152
Überstunden, die aufgetürmt wurden. Das sind rund 90 pro Kopf.
Anstaltsleiter Julius Wandelt spricht von einer „Überstundenwirtschaft”,
es werden welche abgebaut, ausbezahlt, um dann auch gleich wieder
aufgebaut zu werden. So läuft es schon lange.
In Zeiten der
Personalknappheit sei es schwierig, Überstunden durch „dienstfrei”
verantwortungsvoll abzubauen. Das bedeute nämlich, dass jeder etwa elf
Tage frei hätte. Wenn der Krankenstand niedrig ist und keine Urlauber
ausfallen, gehe das in Einzelfällen. Überstunden in bare Münze zu
verwandeln, sei wegen der dann höheren Besteuerung für die Wenigsten
erstrebenswert.
Wandelt hat mit seinen Mitarbeitern einen neuen
Dienstplan entworfen, der derzeit dem Personalrat vorliege. Damit soll
sichergestellt werden, dass keine weiteren Überstunden angehäuft werden
müssen.
Ein Konzept, das die Justizvollzugsbeamten zum großen
Teil selbst erarbeitet haben.
|
|
... |
|